Impulse und sonntägliche Andachten


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Andacht zu Apostelgeschichte 4,32 – Ein Herz und eine Seele

von Pfarrer Andreas Taut aus Holzmaden

 

„Ein Herz und eine Seele“ – das klingt gut, auch wenn sich beim Lesen der Verdacht einschleicht, dass es sich um den Titel eines Kitschromans handeln könnte. Es ist aber ein Zitat aus der Bibel, denn so beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte das Zusammenleben der ersten Christen: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam“ (Apg 4,32).

Kaum zu glauben, dass die Urkirche wirklich eine so vollkommene Gemeinschaft bildete. Alle haben sich verstanden, es ging immer harmonisch zu, es gab weder Streit noch Neid. Das klingt ziemlich utopisch. Auch Lukas wusste wohl, dass die Realität der Urgemeinde in Jerusalem anders aussah. Mit seiner Redewendung „ein Herz und eine Seele“ spricht er dennoch eine ganz entscheidende Botschaft für uns Christen an: „Ihr seid ein Herz und eine Seele im Glauben an Jesus Christus! Er ist der Mittelpunkt der Gemeinde. Deshalb schaut auf das, was euch verbindet. Wie ihr euch anderen Menschen gegenüber gebt und was ihr in eurem Alltag tut, das soll sich an dem orientieren, was Jesus gesagt und getan hat.“

„Ein Herz und eine Seele“, bedeutet sicher nicht, dass um des lieben Friedens willen niemand mehr seine Meinung sagen darf oder dass es nun keine Probleme mehr gibt. Wenn wir aber erkannt haben, dass wir im Glauben mit Jesus und mit anderen Christen in der Gemeinde verbunden sind, dann können wir einen anderen Umgang miteinander praktizieren, einen Umgang, der den anderen ernst nimmt und respektiert. Dann wachsen wir zusammen zu einer Gemeinschaft der Gläubigen, die immer wieder neu aufeinander zugeht.


Wochenspruch für Pfingstsonntag, 31. Mai 2020 und Pfingstmontag, 1. Juni 2020

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. – Sacharja 4,6

Andacht zum Wochenspruch

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sacharja 4,6

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 „….. nicht durch Heer“ soll es geschehen – das leuchtet mir ein. Ein Heer bringt kaum etwas Gutes. Das Wort erinnert mich an Krieg, Gewalt und Blutvergießen. Was ist mit dem „es“ gemeint? Bei Sacharja ist es der Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels nach dem Babylonischen Exil.

Auch wir müssen etwas aufbauen. Einen sinnvollen Umgang mit dem Virus, das unser Leben verändert hat. Als Gesellschaft und jede und jeder für sich. Einen Umgang, der uns leben lässt und gleichzeitig schützt, was Schutz braucht. Keine einfache Aufgabe. Eine, die gerade unsere Gesellschaft zu spalten droht.

Diese Aufgabe schaffen wir nicht mit Gewalt, das ist klar. Aber Kraft – daran ist doch nichts Schlechtes, oder? Kraft brauchen wir doch, um etwas anzupacken und einander zu unterstützen und zu helfen. Werden wir hier etwa aufgefordert, still zu halten und alles geschehen oder gar über uns ergehen zu lassen?

Gottes Geist als Gegenpol zu Heer und Kraft ist nichts, was uns unserer Verant-wortung entheben und unsere Tatkraft bremsen möchte. Im Gegenteil. Das der deutschen Übersetzung zugrunde liegende hebräische Wort bedeutet „Atem, Wind, Sturm“ und schöpferische, Leben schaffende „Dynamik“. Diese ermutigt uns, im Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aktiv zu werden. Sie möchte das Miteinander fördern, und uns ermuntern, die Hand zu öffnen und nicht zur Faust zu ballen. Gottes Geist ist eine zwar mächtige, aber liebevolle Kraft, die nicht verletzt und zerstört, sondern heilt und aufrichtet. Sie möge zu uns kommen und uns helfen, die Aufgaben, vor denen wir stehen, gut zu lösen. In klugen und besonnenen Diskussionen, nicht aber in Streit und gegenseitiger Verunglimpfung. Vertrauen wir, dass Gottes Geist wirkt, auch in diesem Jahr, und lassen wir uns von der alten Pfingstbitte inspirieren:

„Komm, Heiliger Geist.

Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und

entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Sende aus deinen Geist und

alles wird neu geschaffen.

Und du wirst das Antlitz der Erde erneuern.  Amen


Geistliches Wort zum Feiertag „Christi Himmelfahrt“:

Psalm 47 (EG 726)

Lied: Jesus Christus herrscht als König (EG 123)

Predigttext. Joh. 17, 20-26:

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

„Na, wo ist er denn jetzt, der Jesus, im Himmel oder bei uns auf der Erde?“ Das ist eine Frage, die nicht nur Konfirmanden stellen, wenn man das Apostolische Glaubensbekenntnis bespricht.

Für alle ist klar: Jesus ist als Mensch seit seiner „Himmelfahrt“ nicht mehr unter uns.

Heute lesen wir seine Bitte an Gott, als er seine Freundinnen und Freunde hier auf der Erde verlässt. Er möchte sie alle in guten Händen wissen. Und sicherlich meint er dabei alle, die zu seinem Freundeskreis gehören, auch wenn sie Jesus selbst nicht mehr erlebt und gekannt haben.

Ein Satz in diesem Abschiedsgebet könnte auch die Überschrift sein: „Damit sie alle eins seien!

Jesus weiß um die Verschiedenheit und die Unterschiede der Menschen. Von Gleichmachung spricht Jesus also sicherlich nicht.

Doch „Alle eins in Gott“, das ist ein Wunsch, den ich gerne teile. Weil damit eine besondere Einheit beschrieben ist: „damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“ „Eins sein“ meint also Einheit in der Liebe von Vater, Sohn und uns. Jesus nimmt uns in die Liebesgemeinschaft von Gott und Menschen hinein.

Dass diese Einheit in der Liebe nicht so leicht herstellbar ist wissen wir. Wir kennen ja die unterschiedlichsten Meinungen, Lebensentwürfe, religiösen Vorstellungen und kulturelle Äußerungen von Menschen. Selbst innerhalb der Christenheit und selbst innerhalb unserer Landeskirche.

Das Schöne am Gebet Jesu: Er fordert sie nicht von seinen Freundinnen und Freunden, sondern bittet den Vater um die besondere Gemeinschaft, „dass alle eins seien“. Mich entlastet das. Denn ich spüre darin: Ich darf mich wohl um das Einssein bemühen, aber machen kann ich es nicht. Gott kann es und darauf darf ich vertrauen.

Ein Symbol dafür ist das Bild auf einem Wandteppich im Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf, auf dem in der griechischen Sprache des Neuen Testaments dieses »Damit alle eines seien« steht. Auf grünem Untergrund und sozusagen über das weite Erdenrund verstreut, durch den sich darüber wölbenden Regenbogen zusammengehalten, sind viele sehr unterschiedliche Kirchengebäude zu sehen. Das Himmelsgewölbe ist an einer Stelle offen. Dort steht eine Christus-Figur zwischen Himmel und Erde. Sie ragt zum größeren Teil in die irdische Sphäre hinein und gehört ihr dennoch nicht (mehr) an. Es ist der zum Himmel aufgefahrene Christus, der gleichzeitig so gestaltet ist, als stiege er auf die Erde herab. Zentral unter der Christus-Figur und zwischen all den verschiedenen Kirchengebäuden steht das »damit alle eines seien«. Amen

Gebet

Himmlischer Vater, du hast uns in dein Reich aufgenommen,
und dein Herzenswunsch ist es, alle Menschen zu dir hin zu ziehen.
Schenke uns einen klaren Blick, der die Menschen so sieht, wie du sie siehst,
Einfühlsamkeit, damit wir uns in ihre Lage versetzen können
und ein warmherziges Lächeln, das sie in deinem Namen willkommen heißt.
Gib uns ein großmütiges Herz,
auf dass unsere Kirche ein Vorgeschmack auf den Himmel werde,
in der jede Seele, die du uns geschickt hast,
ein liebevolles Zuhause findet in der Gemeinschaft mit deinem Sohn,
unserem Retter, Jesus Christus.
Amen. (Gebet aus der Anglikanischen Diözese Mauritius, Kirche der Provinz des Indischen Ozeans.)